Reggae Toasting - ein Überblick

Der folgende Artikel gibt einen Überblick über das Reggae Toasting. Außerdem werden entsprechend Musikstücke zum Anhören präsentiert, die für diese Art des Talkovers beispielgebend sind.

Da ich mich grundsätzlich auch für Sprechgesang als Möglichkeit interessiere, Lyrik unter das Volk zu bringen, für die sich ansonsten kaum mehr jemand zu interessieren scheint, bin ich über meine Liebe zu Bob Marley und Reggae auch zum Toasting geraten. Im Moment nähere ich mich diesem Talkover Style an. Denn die Sache scheint nicht einfach, besonders auf Deutsch nicht, das sich ohnehin für das Reimen weniger eignet, da es weniger gleich lautende betonte Silben gibt.

Auch im Rap habe ich mich schon versucht, allerdings lehne ich die Menschenverachtung und Gewaltverherrlichung ab, die das Genre als solches prägen. Die Botschaft des Reggae oder der Rastafaris gefällt mir in weiten Teilen besser.

Der Unterschied zwischen Singen und Toasten sei, sagte U-Roy lakonisch, der Sänger singe und der Toaster spreche.

U-Roy / Stop that Train / about Toasting

Im Unterschied zum Rap erinnert der Toast dabei doch eher an Gesang, da er melodisch ist, während der Sprechgesang im Hip Hop villeicht eher rhythmischen Charakter hat. Der Sprechgesang im Reggae wird manchmal auch als Chanting, Chatting oder Jamaikanischer Talk-Over-Style bezeichnet.

Thematisch geht es oft um Anzügliches aber auch um soziale Ungerechtigkeit. Deejays toasteten live zur B-Seite von Singles, die einen langsamen, für Reggae Roots typischen Rhythmus (65 bis 85 bpm) hatten und dem Sprecher Zeit ließen, sich auszudrücken. Mit fortschreitender Zungenfertigkeit und der Entwicklung des Dancehall Reggae, des Ragga und des Jungle Style reimten sie aber auch zu etwas schnelleren Rhytmen (90 bis 125 BPM). Übrigens sind Deejays im Reggae und im Hip Hop nicht dasselbe. In den Soundsystems legten Selectors die Plattena auf. Die Deejays priesen mit dem Mikrofon die Songs an.

I Roy – Money Worries

Ist das nicht cool? Im Gegesatz zum Rat Race Babylons?

I Roy rappte nicht in Patois wie viele andere, sondern in verständlichem Englisch.

The Upsetters and Prince Jazzbo - Croaking Lizard

Er benutzte einen sehr langsamen Chant zu einem sehr langsamen Rhythmus.
Ein Hit war auch „Step Forward Youth“.

Linton Kwesi Johnson benutzt als Musik Dub, davon meist die instrumentale (B-) Seite. Er ist in etwa so langsam wie Roots. Allerdings mit dem exzessiven Einsatz von Effektgeräten, bis hin zum Ausblenden ganzer Spuren. Es kommt ein sehr beeindruckender, mystischer Groove zustande, zu dem sich gut plappern lässt. Die Dub-Poetry entstand mit ihm.

Linton Kwesi Johnson - Dread Beat 'n Blood

Interessant mögen auch die Vocalartisten Michigan & Smiley sein, die gemeinsam in einer Art Dialog über die B-Seiten von Stücken dichteten, die aus dem Studio One stammten.

Michigan and Smiley - Sugar Daddy

Zum Schluss vielleicht noch Albino Yellowman, der durch seine Slackness-Lyrics bekannt wurde.

Yellowman – Zungguzungguguzungguzeng

Neben den bereits genannten Solisten sind vielleicht noch Dennis Alcapone und Vertreter der Gruppen Big Youth und Brigadier Jerry zu nennen.

Die Ursprünge dieses Vocalstils liegen wohl in den Soundsystemen Jamaikas, turmhohe Lautsprecheranlagen, die miteinander konkurrierten. Die Deejays ergriffen das Mikro und begannen ihre frisch gepressten Singles nicht nur anzusagen, sondern auch anzupreisen, wie das in den U.S.A. teilweise auch der Fall gewesen sein soll. Sie weiteten dies, unter dem Beifall der Zuhörer, dahingehend aus, dass sie über die B-Seiten (Instrumentalversionen) der Stücke toasteten, und ihre Sprache dem Basslauf anpassten. Sie wurden die eigentlichen Stars. Teilweise übernahmen Sie auch die von den Backing Voices gesungenen Kehrverse der Originalplatten. Sie gingen schließlich dazu über, eigene Themen zu entwickeln, die sich um Sex und soziale Ungerechtigkeit drehten.

So jetzt habe ich unser Verständnis des Toasting etwas aufgehellt. In jedem Falle meines, das ich benötige, um auf diesem Gebiet endlich tätig zu werden